LEG: Eine gute Idee, komplex umgesetzt
In wenigen Wochen ist es so weit: Lokale Energiegemeinschaften (LEG) werden in der Schweiz möglich. Die rechtlichen Grundlagen sind festgelegt (Link), die Branche hat ihre Dokumente aufgearbeitet (Link), die Informationsseiten befinden sich im Aufbau (Bsp. «lokaler Strom»), die Dienstleistungsangebote beginnen sich zu formieren (s. unten), erste Einführungen werden angeboten (Bsp. Forum Energie Zürich). Die Informationen sind also da, doch noch wenige konkrete Handlungsempfehlungen oder Leitfäden für Gemeinden.
Wo ein Energieversorgungsunternehmen (EVU) in kommunaler Hand ist, da ist auch das Wissen nicht weit, denn die Verteilnetzbetreiber müssen ab dem kommenden Jahr LEG umsetzen können. Die einen oder anderen werden auch selber aktiv den Aufbau, die Begleitung und Umsetzung von LEG als Dienstleistungsangebot bewerben. Doch wo die Gemeinden einem regionalen oder kantonalen EVU angeschlossen sind, da stellen sich viele Fragen: Lohnt sich eine LEG für die öffentlichen Gebäude? Sollen wir als Gemeinde auf dem Gemeindegebiet eine LEG für alle anbieten? Wer ist unser Partner für die Umsetzung oder was machen wir selber?
Eine LEG macht Sinn, wo grössere Produzenten (v.a. grössere Solaranlagen) mit grösseren KonsumentInnen zusammenkommen, die den Strom abnehmen können, dann, wenn er produziert wird. Batterien können das System ergänzen, um Tag und Nacht bspw. noch besser auszugleichen. Für die Gemeinde könnten das bspw. die PV-Anlage auf der Turnhalle und ein Alterszentrum oder ein Werkhof in der Nähe sein, welche die Spitzen über Mittag mit abnehmen und wie das Alterszentrum auch am Wochenende Strom brauchen. Vielleicht ist ja noch ein Sportzentrum in der Nähe, wo auch am Wochenende viel läuft. Idealerweise befindet man sich innerhalb einer Trafo-Kreises, dann reduzieren sich die Netzgebühren am meisten.
Bevor jedoch eine LEG ausgelegt werden sollte, lohnt es sich, von unten her zu optimieren: Betriebs- und Eigenverbrauchsoptimierung in den einzelnen Gebäuden, die Prüfung von Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) oder ein virtueller ZEV (in der Regel werden auf den verschiedenen Infoseiten alle drei Modelle nebeneinander und in Abgrenzung erklärt). Dann kann aufgrund der Lastgänge (d.h. den viertelstündlichen Messwerten, die über Smart Meter, eine Grundvoraussetzung, geliefert werden) eine Berechnung für eine allfällige LEG gemacht werden, unter Einbezug der eingesparten Netznutzungsentgelte, der noch verbleibenden Erträge über den Rückspeisetarif und den allfälligen Tarifen innerhalb der LEG. Einzubeziehen ist auch, dass in Zukunft bei hohen Netzbelastungen auch PV-Anlagen abgeriegelt werden können (dazu informieren die EVU auf ihren Seiten, ob davon schon in gewissen Fällen Gebrauch gemacht wird).
Eine LEG für das ganze Gemeindegebiet kann eine Dienstleistung sein, welche die Gemeinde ihren EinwohnerInnen und Gewerbebetrieben anbietet, jedoch lohnt es sich, mit einem Profi anzuschauen, was die Voraussetzungen vor Ort sind. Die Gemeinde definiert, ob sie Koordinatorin, Vermittlerin oder Infrastrukturträgerin sein will.
Die gesetzlichen Vorgaben stellen hohe Anforderungen an die Umsetzung und es braucht ein Vertragswerk zwischen allen Beteiligten, das «verhebet». Deshalb sind Partner wichtig, die hier die Erfahrung über mehrere LEGs aufbauen können und den Gemeinden beratend und mit Vorlagen zur Seite stehen. Das kann das EVU sein, eine Genossenschaft oder ein privater Anbieter. Der Kontakt zum Verteilnetzbetreiber ist in jedem Fall unerlässlich.
Erste Abschätzungen haben gezeigt, dass das Aufsetzen bspw. einer LEG für kommunale Gebäude wohl mit einigen wenigen Tausend Franken zu Buche schlägt, dazu kommen einige Hundert Franken jährlich für Rechnungsstellung, Tarifierung und Begleitung (z.B. neue Verträge oder Aktualisierungen). Die möglichen Gewinne können aber bei einer guten Kombination von ProduzentInnen und KonsumentInnen eine Amortisation innerhalb weniger Jahre ermöglichen.
Wo aber gibt es schon konkrete Beispiele? In den Städten Zürich (Link) und Winterthur (Link) haben die Energieversorger bereits sehr konkrete Angebote aufgeschaltet und es besteht die Möglichkeit, als Haushalt an einer LEG teilzunehmen. Weitere EVU aus Gemeinden sind aktuell daran, Angebote zu finalisieren. Mettmenstetten hat sich als Energiestadt Gold relativ früh um Möglichkeiten bemüht, LEG zu nutzen und ist daran, bereits für 2026 eine LEG zu gründen und auch auf dem Gemeindegebiet anzubieten (Link). Wir sind gespannt, von Mettmenstetten zu lesen! In Regensdorf haben die Gemeinde als Eigentümerni eines Areals und die EKZ ein Pilotprojekt gestartet, um mit Simulationen erste Erfahrungen zu sammeln (Link).
Verschiedene Gemeinden und Energie-Regionen sind ebenfalls am Thema dran, aber es ist noch nichts publiziert. Wir sammeln gerne Beispiele (Kontakt Geschäftsstelle) und nehmen das Thema in unseren Aktivitäten auf.
